Hillary Clinton – Die Teflon-Kandidatin

Die Woche ist für Hillary Clinton gut gelaufen. Zunächst hatte ihr Vielleicht-Doch-Gegenkandidat Joe Bidden bekannt gegeben, dass er doch nicht nach Präsident der USA werden will und dann hatte sich Clinton auch noch einer Anhörung im House, der zweiten Kongresskammer, zu stellen. „Yoga hilft immer“, damit beendete die strahlende Kandidatin ihren Auftritt vor den Abgeordneten, die hier eigentlich nach der Email-Affäre vom Beginn des Jahres ein weiteres Mal am Zeug flicken wollten. Es ist ihnen nicht gelungen – dank Yoga.

Aus für Bidden

Lange war in D.C. spekuliert worden, ob der Vizepräsident im Alter von 72 Jahren und nach zwei gescheiterten Anläufen ein weiteres Mal für das höchste Staatsamt antritt. Bidden hatte, nach eingeweihten Berichten, von seinem Sohn auf dem Sterbebett die Aufforderung bekommen, noch einmal anzutreten. Beau Bidden war erst im Frühjahr an einer Krebserkrankung gestorben.

Der Vizepräsident hatte durch sein langes Zögern sich jedoch selbst bereits ins Aus geschossen. So fehlte er bei der ersten Fernsehdiskussion im September und verzichtete damit auf wichtige Wahlkampfzeiten – kostenfreien obendrein. Gleichzeitig hatte er bislang weder Spenden gesammelt noch einen entsprechenden Wahlkampfstab aufgebaut. Dies hätte sich spätestens in den ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hempshire gerächt und Bidden wäre aus dem Rennen gewesen. Denn hier werden die ersten wichtigen Schlachten geschlagen, die für die mediale Verwertung entscheidend sind.

Für Clinton klärte sich damit die Situation. Die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin sieht sich drei Gegenkandidaten gegenüber – Bidden wäre der vierte. Der nun aus dem Rennen gegangene Fast-Kandidat hätte ihr nicht mehr wirklich gefährlich werden, aber als erfahrener Fahrensmann des politischen Geschäfts einige Kopfschmerzen bereiten können. Dies ist nun abgewendet und es besteht für Clinton die Chance, dass sich Bidden auf ihre Seite schlägt.

Übrig bleibt lediglich Bernie Sanders, der Senator des New England-Staates Vermont. Sanders ist linksorientiert und dies ist für Clinton in den Vorwahlen eine massive Gefahr. Denn hier entscheiden eher die Ränder der Parteien über die Kandidaten, die eine höhere Mobilisierungsquote erreichen als der parteilische Mainstream. Die frühere First Lady kann sich nun auf ihren wichtigsten innerparteilischen Gegenkandidaten konzentrieren und dabei ihr durchaus vorhandenes linkes Profil heraus stellen. In der ersten demokratischen Fernsehdiskussion ist ihr dies hervorragend gelungen und als Siegerin vom Platz gegangen.

Affärengejagt … aber nicht erlegt

Clinton hatte das Phänomen bisher vollbracht, dass sie mit mehreren Affären im vergangenen Jahr konfrontiert war, ohne dass ihr dies wirklich geschadet hätte. Bislang ist dies noch keinem Kandidaten gelungen.

Die wohl gefährlichste Gegenattacke der Republicans war dabei die Email-Affäre. Die ehemalige Außenministerin konnte nicht wirklich erklären, warum sie dienstliche Emails über ihren privaten Server laufen ließ. Die Begründung „Bequemlichkeit“ ist eher dürftig zu nennen. Aber dennoch konnte sie sich als führende demokratische Kandidatin halten und bislang keinen Kratzer an ihrer Aura verzeichnen. Die Wähler haben es ihr durchgehen lassen – offenbar wohl auch, weil sie und ihre Ehemann immer noch die wichtigsten Zugpferde der Democrats sind. Präsident Obama kann dies nicht mehr sein, seine Kampagne „Yes. We can.“ ist verbraucht und die Beliebtheitswerte des Amtsinhabers unterirdisch.

Anders ist die Sache mit dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi zu sehen. Diese Geschichte aus ihrer Zeit als Außenministerin ist emotionaler, da es sich hier um einen Angriff auf das Selbstverständnis der USA geht. Es liegt daher eher am Unvermögen der Republicans, dass die zahlreichen Untersuchungsausschüsse im Sande verliefen. Zu sehr ist Clinton die Hassfigur für die Grand Old Party, als dass sie sich abseits des politischen Klamauks um die wirklichen Fehler Clintons kümmern würden. Diese sind gering, denn als Außenministerin trug sie nicht die Verantwortung für das operative Sicherheitsmanagement. Und zudem war der Kontakt des Botschafters mit den libyschen Rebellen ausdrücklich gewünscht.

Um Ausschuss des House stritten sich am vergangenen Donnerstag dann die Abgeordneten untereinander und die Kandidatin der Democrats konnte sich entspannt lächelnd zurück lehnen. Clinton kommt ihren Pflichten auf Vorsprache nach, Lächelt und lässt die Anwürfe an sich abprallen. Die Schlüsse ziehen die Wähler selbst und Clinton kann sich wieder um die Inhalte ihrer Kampagne kümmern.

Es könnte klappen diesmal

Vor acht Jahren ist Clinton noch an Obama gescheitert. Diesmal aber könnte es klappen. Denn während die Republicans sich selbst zerfleischen und mit Donald Trump einen Kandidaten im Rennen haben, der hochpopulär, aber bei Partei-Establishment wenig gemocht ist, ist Clinton in ihrer Partei weitgehend konkurrenzlos. Mit mehr als 77 Millionen Dollar ist ihre Kriegskasse prall gefüllt.